Fünf Tage in Japan, Teil 1
Lang ist es her, dass ich hier meinen ersten Eintrag veröffentlicht habe. Hier ist also endlich Nr. 2 und dieser kommt direkt mit dem Versprechen, dass der dritte definitiv nicht so lange auf sich warten lassen wird. Durch den Launch meines eigenen kleinen Shops hier und meiner persönlichen Übersättigung was soziale Medien betrifft (selbst bei geringer eigener Nutzung) habe ich zwei guter Gründe, mich zunehmend meiner eigenen Website zu widmen und das ganze hier mit mehr und mehr Leben zu füllen.
Ich hatte mir überlegt, in meinem zweiten Posting hier etwas über unseren letztjährigen Kurztrip nach Japan zu berichten. Vergangenes Jahr hatten wir, im Rahmen unseren alljährlichen Besuchs der Taiwanesischen Heimat meiner Frau, die Gelegenheit, gemeinsam mit ihrer Familie für einige Tage nach Japan zu fliegen. Wie für viele andere westliche Reisende auch steht das “Land der aufgehenden Sonne” seit jeher weit oben auf meiner Liste. Neben zahlreichen großartigen japanischen Fotograf*innen, Ghibli-Filmen und der sehr eigenen Kultur ist Japan schon deswegen für mich interessant, weil es, anders als beispielsweise Deutschland, seinen öffentlichen Raum tatsächlich nicht dem Auto unterworfen hat. Für viele Deutsche vermutlich unvorstellbar - für mich ein Traum. Und trotzdem war ich bei unserer Ankunft in Tokio durchaus überrascht, wie ruhig es tatsächlich auf den Straßen dieser riesigen Metropole zugeht und wie hervorragend man sich als Fußgänger fortbewegen kann.
Für letzteres blieb allerdings vorerst nur wenig Zeit, denn am Tag unserer Ankunft landeten wir gegen Nachmittag und kamen erst gegen 20 Uhr an unserem Hotel im Stadtteil Shinjuku an. Schnell im gegenüberliegenden Restaurant zu Abend gegessen und die Kinder ins Bett gebracht, viel Zeit blieb danach nicht mehr übrig, um sich für einen Spaziergang in die bitterkalte Januar-Nacht von Tokio zu stürzen. Ich tat es dennoch, allerdings war ich von meinen ersten Eindrücken dieser gigantischen Stadt so überwältigt und gleichzeitig von den Reisestrapazen so erschöpft, dass die Kamera vorerst im Rucksack blieb und ich mich in dieser Nacht nicht mehr zum fotografieren aufraffen konnte. Doch das änderte sich am nächsten Morgen. Von den Strapazen des Vortags erholt, hatte ich beim Sonnenaufgang im lichtdurchfluteten Hotelzimmer mit Blick über den Shinjuku wirklich keine Ausrede mehr, nicht zur Kamera zu greifen
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Bild 1 + 2: Blick über Shinjuku / Bild 3: Unsere Kids toben sich am Fenster des Hotelzimmers aus
Nachdem meine ersten Impressionen von Tokio auf Film verewigt waren, mussten wir allerdings relativ schnell raus aus dem warmen Hotelzimmer, denn unser Zug für die Weiterreise zum Mount Fuji war bereits gebucht und so fanden wir uns keine Stunde später, gegen halb 10, bereits auf unseren Plätzen im Wagon wieder. Für die nächsten zwei Stunden waren wir also damit beschäftigt die Kinder bei Laune zu halten, bis wir kurz vor Ende der Fahrt das erste mal den Berg durch das Zugfenster erblickten. Plötzlich war ein beschäftigen der Kinder mit Spielsachen nicht mehr nötig, denn zu atemberaubend wirkte die Pracht des Berges im strahlenden Sonnenlicht - auf Groß und Klein. Ich bin bei weitem kein religiöser Mensch, aber bei diesem Anblick wurde mir direkt klar, warum der Fuji in Japan als heilig gilt. Umgeben vom klarsten blauen Himmel den man sich vorstellen kann, gehüllt in gleißendes Sonnenlicht hatte der Berg eine unglaubliche Aura, die durch den Umstand, wie deutlich er seine direkte Umgebung überragt, nochmals unterstrichen wurde.
Unsere Hypnotisierung durch den Anblick des Berges fand vorerst ein jähes Ende, als wir plötzlich die Endstation unseres Zuges in Kawaguchiko erreichten. Vor Ort hatten wir noch ein wenig Zeit totzuschlagen, ehe uns der Shuttle-Bus zum Hotel fahren sollte und so deckten wir uns im örtlichen 7eleven mit Speis und Trank ein, ehe ich die anschließende Wartezeit für einen ersten kleinen Fotospaziergang in Japan nutzte. Weitere Fotos vom Berg konnte ich dabei aber erstmal nicht machen, denn dafür war das aus dieser Richtung kommende Gegenlicht der Sonne mittlerweile einfach zu stark. Immerhin waren dadurch aber die Häuserfronten die dem Berg zugewandt waren in warmen Sonnenschein getaucht und gaben zwar keine spektakulären, aber trotzdem willkommene Motive ab.
Häuserfronten in Kawaguchiko
Nach dem kleinen Spaziergang im Ort ging es dann also mit dem Bus zum Hotel. Dort lag der Fokus dann, bis zur Weiterreise am nächsten Tag, erstmal auf Wellness und gutem Essen, während sich das Fotografieren auf ein paar Aufnahmen des Mount Fuji vom Balkon des Hotelzimmers aus beschränkte. Weil so ein Wellness-Hotel aber ein eher teurer Spaß ist, ging es für uns nächsten Tag planmäßig von Kawaguchiko weiter in ein preiswerteres Hotel im Nachbarort Fujiyoshida. Das Hotel bot, zumindest auf der Dachterrasse, einen nicht minder schönen Blick auf den Berg. Durch den wegfallenden Wellness-Aspekt und das nicht dazu gebuchte Abendessen hatten wir an diesem Tag auch genug Gründe uns auch ein wenig draußen herumzutreiben.
Es war schon unser dritter Tag in Japan und so langsam wurde es wirklich Zeit, in die erste Touristenfalle zu schlittern, aber davon lest ihr dann in wenigen Tagen im zweiten Teil dieser Geschichte - keine Sorge, der ist bereits fertig geschrieben. Abschließend gibt es hier unten die oben erwähnten Aufnahmen des Mount Fuji, besten Dank an den Hotelbalkon. Wir sehen uns!
Der Fuji von Kawaguchiko aus gesehen zu verschiedenen Tageszeiten