Fünf Tage in Japan, Teil 2
…und weiter gehts. Wie am Ende des ersten Teils bereits angekündigt, schlitterten wir an unserem dritten Tag in Japan in unsere erste Touristenfalle. Wir nahmen morgens den Bus um nach Oshino, einem Nachbarort von Fujiyoshida, zu fahren. Oshino ist bekannt für seine historischen Gebäude und seine Teichanlagen mit kristallklarem Wasser. Etwas zu bekannt, wie es schien, denn wenn sich in einem Ort mehr Touristen als Einheimische befinden und die traditionellen Wohnhäuser nur noch als Souvenirläden fungieren dann raubt es einem solchen Ort jegliche Authentizität und man hat das Gefühl sich nur in einer Kulisse, einer Inszenierung zu bewegen. Klar, bei der Gelegenheit deckte man sich mit ein, zwei Souvenirs ein, aber eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Geschichte war aufgrund der Touristenmassen nicht wirklich möglich, weshalb ich mir weitere Worte dazu an dieser Stelle spare.
Wohnhäuser in Oshino
Immerhin fand der Tag dann noch ein schönes Ende, als wir ihn, zurück in Fujiyoshida, mit einem gemeinsamen Sushi essen ausklingen ließen - herrlich! Nachdem die Kinder dann wenig später im Bett waren und ich mir örtlichen Supermarkt endlich ein paar Handschuhe gegönnt hatte, ergab sich für mich noch die Gelegenheit, bei Minusgraden mit Kamera und Stativ ausgestattet, eine kleine nächtliche Runde durch den Ort zu drehen. Leider gab es, abgesehen vom Gipfel des Fuji, trotz der bitterkalten Temperaturen keinen Schnee. Die weiße Pracht hätte die nächtlichen Fotos atmosphärische sicher schön abgerundet, aber auch ohne Schnee und trotz neu erworbener Handschuhe musste ich den frostigen Wetterbedingungen bald Tribut zollen und kehrte durchgefroren ins Hotel zurück. Ab ins Bett, gedanklich schon wieder in Tokio, denn dahin sollten wir am nächsten Tag zurückkehren.
Nächtlicher Streifzug durch Fujiyoshida
Genauer gesagt ging es mit dem Zug in den Bezirk Sumida, wo wir ein Hotelzimmer direkt gegenüber des berühmten, als Skytree bekannten, höchsten Funkturm der Welt gebucht hatten. Im östlichen Gebäude des Skytree-Komplexes ist ein großes Einkaufszentrum mit eigenem Pokemon-Store untergebracht. An dieser Stelle will ich darauf gar nicht weiter groß eingehen, es sei nur so viel gesagt: Gerüchten zufolge bin ich, entgegen aller Vernunft, ein großer Fan dieses Pokemon-Franchises und habe mich an diesem Tag gottlos mit entsprechendem Merch eingedeckt. Ebenfalls nicht allzu detailliert möchte ich an dieser Stelle über das anschließende Abendessen im Restaurant “Jojen” im 30. Stock des Ostturms des Skytree-Komplexes berichten, denn das hätte ich meiner Familie aufgrund meiner Höhenangst fast ruiniert. Es sei nur so viel gesagt: der Umstand, dass uns ein Tisch direkt an der Fensterfront zugewiesen wurde hatte mich etwas… “überrascht.” Wie dem auch sei, danach ließen wir den Abend entspannt im Hotel ausklingen und abgesehen von ein paar Fotos, die ich vom Fenster unseres Hotelzimmers aus machte, brachte unser vorletzter Tag in Japan keine weiteren nennenswerten fotografischen Ergüsse hervor.
An unserem letzten Tag in Tokio wechselten wir nochmal in ein günstigeres Hotel, nur wenige Straßen entfernt und hatten uns nochmal einiges an Programm vorgenommen. So ließen wir uns u.a. auf Wunsch meiner Frau in traditionellen japanischen Gewändern ablichten und besuchten den nahegelegenen Asakusa-Schrein, den ältesten Tempel Tokios. Nachdem ich am Vortag recht wenig fotografiert hatte, wollte ich an unserem letzten Tag vor Ort nochmal die Gelegenheit nutzen, möglichst viele Impressionen auf Film festzuhalten. Und dahingehend kam ich dann am Abend auf der Dachterrasse unseres Hotels und beim anschließenden, nächtlichen Streifzug durch die nähere Umgebung durchaus auf meine Kosten.
Die letzte Nacht in Tokio mit dem Blick auf den Skytree als Highlight
Das war es dann aber auch, am nächsten Morgen ging es dann mit Sack und Pack zurück zum Flughafen und von da aus zurück nach Taipei. Klar, fünf Tage in einem Land, welches man das erste mal in seinem besucht, ermöglichen mir natürlich keinen derartig tiefes Eintauchen in die Kultur und Orte wie es mir bei meinen Streifzügen durch Gelsenkirchen oder Taiwan schon eher gelingt. Auch ist der der bei solchen Kurzurlauben entstehende Fundus aus Bildern zu klein, um daraus ein größeres Narrativ in Form eines Magazins oder gar Bildbands entstehen zu lassen. Und doch sind bei dieser Reise einige schöne Bilder entstanden die ich euch nicht vorenthalten und gebündelt präsentieren wollte. Ich hoffe daher meiner kleiner Japan-Exkurs hat euch gefallen und bedanke mich herzlich fürs Lesen!
Fünf Tage in Japan, Teil 1
Lang ist es her, dass ich hier meinen ersten Eintrag veröffentlicht habe. Hier ist also endlich Nr. 2 und dieser kommt direkt mit dem Versprechen, dass der dritte definitiv nicht so lange auf sich warten lassen wird. Durch den Launch meines eigenen kleinen Shops hier und meiner persönlichen Übersättigung was soziale Medien betrifft (selbst bei geringer eigener Nutzung) habe ich zwei guter Gründe, mich zunehmend meiner eigenen Website zu widmen und das ganze hier mit mehr und mehr Leben zu füllen.
Ich hatte mir überlegt, in meinem zweiten Posting hier etwas über unseren letztjährigen Kurztrip nach Japan zu berichten. Vergangenes Jahr hatten wir, im Rahmen unseren alljährlichen Besuchs der Taiwanesischen Heimat meiner Frau, die Gelegenheit, gemeinsam mit ihrer Familie für einige Tage nach Japan zu fliegen. Wie für viele andere westliche Reisende auch steht das “Land der aufgehenden Sonne” seit jeher weit oben auf meiner Liste. Neben zahlreichen großartigen japanischen Fotograf*innen, Ghibli-Filmen und der sehr eigenen Kultur ist Japan schon deswegen für mich interessant, weil es, anders als beispielsweise Deutschland, seinen öffentlichen Raum tatsächlich nicht dem Auto unterworfen hat. Für viele Deutsche vermutlich unvorstellbar - für mich ein Traum. Und trotzdem war ich bei unserer Ankunft in Tokio durchaus überrascht, wie ruhig es tatsächlich auf den Straßen dieser riesigen Metropole zugeht und wie hervorragend man sich als Fußgänger fortbewegen kann.
Für letzteres blieb allerdings vorerst nur wenig Zeit, denn am Tag unserer Ankunft landeten wir gegen Nachmittag und kamen erst gegen 20 Uhr an unserem Hotel im Stadtteil Shinjuku an. Schnell im gegenüberliegenden Restaurant zu Abend gegessen und die Kinder ins Bett gebracht, viel Zeit blieb danach nicht mehr übrig, um sich für einen Spaziergang in die bitterkalte Januar-Nacht von Tokio zu stürzen. Ich tat es dennoch, allerdings war ich von meinen ersten Eindrücken dieser gigantischen Stadt so überwältigt und gleichzeitig von den Reisestrapazen so erschöpft, dass die Kamera vorerst im Rucksack blieb und ich mich in dieser Nacht nicht mehr zum fotografieren aufraffen konnte. Doch das änderte sich am nächsten Morgen. Von den Strapazen des Vortags erholt, hatte ich beim Sonnenaufgang im lichtdurchfluteten Hotelzimmer mit Blick über den Shinjuku wirklich keine Ausrede mehr, nicht zur Kamera zu greifen
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Bild 1 + 2: Blick über Shinjuku / Bild 3: Unsere Kids toben sich am Fenster des Hotelzimmers aus
Nachdem meine ersten Impressionen von Tokio auf Film verewigt waren, mussten wir allerdings relativ schnell raus aus dem warmen Hotelzimmer, denn unser Zug für die Weiterreise zum Mount Fuji war bereits gebucht und so fanden wir uns keine Stunde später, gegen halb 10, bereits auf unseren Plätzen im Wagon wieder. Für die nächsten zwei Stunden waren wir also damit beschäftigt die Kinder bei Laune zu halten, bis wir kurz vor Ende der Fahrt das erste mal den Berg durch das Zugfenster erblickten. Plötzlich war ein beschäftigen der Kinder mit Spielsachen nicht mehr nötig, denn zu atemberaubend wirkte die Pracht des Berges im strahlenden Sonnenlicht - auf Groß und Klein. Ich bin bei weitem kein religiöser Mensch, aber bei diesem Anblick wurde mir direkt klar, warum der Fuji in Japan als heilig gilt. Umgeben vom klarsten blauen Himmel den man sich vorstellen kann, gehüllt in gleißendes Sonnenlicht hatte der Berg eine unglaubliche Aura, die durch den Umstand, wie deutlich er seine direkte Umgebung überragt, nochmals unterstrichen wurde.
Unsere Hypnotisierung durch den Anblick des Berges fand vorerst ein jähes Ende, als wir plötzlich die Endstation unseres Zuges in Kawaguchiko erreichten. Vor Ort hatten wir noch ein wenig Zeit totzuschlagen, ehe uns der Shuttle-Bus zum Hotel fahren sollte und so deckten wir uns im örtlichen 7eleven mit Speis und Trank ein, ehe ich die anschließende Wartezeit für einen ersten kleinen Fotospaziergang in Japan nutzte. Weitere Fotos vom Berg konnte ich dabei aber erstmal nicht machen, denn dafür war das aus dieser Richtung kommende Gegenlicht der Sonne mittlerweile einfach zu stark. Immerhin waren dadurch aber die Häuserfronten die dem Berg zugewandt waren in warmen Sonnenschein getaucht und gaben zwar keine spektakulären, aber trotzdem willkommene Motive ab.
Häuserfronten in Kawaguchiko
Nach dem kleinen Spaziergang im Ort ging es dann also mit dem Bus zum Hotel. Dort lag der Fokus dann, bis zur Weiterreise am nächsten Tag, erstmal auf Wellness und gutem Essen, während sich das Fotografieren auf ein paar Aufnahmen des Mount Fuji vom Balkon des Hotelzimmers aus beschränkte. Weil so ein Wellness-Hotel aber ein eher teurer Spaß ist, ging es für uns nächsten Tag planmäßig von Kawaguchiko weiter in ein preiswerteres Hotel im Nachbarort Fujiyoshida. Das Hotel bot, zumindest auf der Dachterrasse, einen nicht minder schönen Blick auf den Berg. Durch den wegfallenden Wellness-Aspekt und das nicht dazu gebuchte Abendessen hatten wir an diesem Tag auch genug Gründe uns auch ein wenig draußen herumzutreiben.
Es war schon unser dritter Tag in Japan und so langsam wurde es wirklich Zeit, in die erste Touristenfalle zu schlittern, aber davon lest ihr dann in wenigen Tagen im zweiten Teil dieser Geschichte - keine Sorge, der ist bereits fertig geschrieben. Abschließend gibt es hier unten die oben erwähnten Aufnahmen des Mount Fuji, besten Dank an den Hotelbalkon. Wir sehen uns!
Der Fuji von Kawaguchiko aus gesehen zu verschiedenen Tageszeiten
Ein Foto, das ich ich gerne noch einmal (besser) machen würde.
So, nachdem ich es nach Jahren des vor mich her schiebens endlich geschafft habe, meine Website zu launchen und in dem About schon neben einigen einleitenden Informationen zu mir auch meine Herangehensweise beim Fotografieren angeschnitten wird, kommen wir im ersten Beitrag im dazugehörigen Blog nun ohne große Umschweife direkt zu einem Foto, welches eben jene Herangehensweise meiner Meinung nach ideal repräsentiert. Und trotzdem ist da diese eine Sache die mich an der Aufnahme bei längerem betrachten so stört, dass ich den genauen Spot nach wie vor gerne nochmal besuchen würde, nur um bei einem zweiten Versuch diese eine Sache besser zu machen, aber fangen wir von vorne an.
Letzten März waren wir während unseres Familien-Urlaubs in Taiwan für einige Tage und über mehrere Etappen im Nordosten der Insel unterwegs. Ausgehend von Hualien City ging es in die Berge zum Taipingshan Nationalpark, von da aus direkt wieder runter an die Ostküste in Yilan, dann weiter gen Norden nach Keelung und schließlich zum Touristen-Hotspot Jiufen. Vor Beginn der Tour habe ich mich dabei am meisten auf den Aufenthalt im Taipingshan Nationalpark gefreut, aber nachdem wir erst spät am Tag im Hotel in den Bergen ankamen und wir nur eine einzige Übernachtung eingeplant hatten, machte sich bei mir etwas Ernüchterung breit. Bald wurde es dunkel und mit kleinen Kindern im Schlepptau war eine größere Wanderung keine Option mehr. So blieb mir nur die Möglichkeit nachts gemeinsam mit einem Freund etwas auf der Hotelanlage umherzuschleichen. Aufgrund der Abgeschiedenheit und der dunklen Lichtverhältnisse blieben die interessanten Motive wie befürchtet auf ein, zwei atmosphärisch beleuchtete Hotelfenster beschränkt und wir beschlossen, abschließend noch eine kleine Runde durch Bergwald auf einem anliegenden Trail zu gehen. Ausgerüstet mit meiner Canon EOS 1N und 200er Kodak Gold habe ich beim Gedanken an die Dunkelheit des Waldes eher wenig Hoffnung darauf gehabt etwas zu finden, das taugt fotografiert zu werden.
Wäre da nicht ein taoistischer Tempel gewesen, der den Wald mit rotem Licht ausleuchtete. Wirkte der in Rot getränkte Wald durch meine “westlich” geprägten Augen von der Stimmung her eher dramatisch (wenn auch nicht unmittelbar bedrohlich), steht die rote Farbe in vielen asiatischen Kulturen vielmehr für Glück und Wohlstand. Dieser Umstand tut der Dramatik des Fotos wenn man es isoliert und ohne diesen Kontext betrachtet meiner Meinung nach aber keinen Abbruch. Dafür gibt es aber wie bereits einleitend erwähnt diese eine Sache, die mich an dem Foto dann doch immer noch stört, wenn ich mich nur genug hineinsteigere.
Das besagte Foto, Blick in Richtung des Bergwalds, hinter mir der rot beleuchtete, taoistische Tempel.
Durch die dunklen Lichtverhältnisse im nächtlichen Wald und vielleicht auch, weil ich an dem Abend leicht angeschwipst war, konnte ich die Bäume nicht optimal fokussieren und so ist das Foto im Endergebnis leider doch etwas unscharf geworden. Wenn ich meinen Ärger über diesen Makel jedoch beiseite schiebe komme ich trotzdem zu dem Schluss, dass das Foto für mich persönlich eine tolle, einprägsame Erinnerung darstellt und visuell schon ziemlich einzigartig in meinem fotografischen Portfolio ist. Es ist in seiner Kuriosität für mich ein Beweis dafür, dass es sich lohnt beim Fotografieren auch an Orten, an denen man eigentlich überhaupt nicht mit interessanten Motiven rechnet eben doch genau danach zu suchen. Sollte es mich irgendwann nochmal zum Taipingshan verschlagen würde ich es trotzdem darauf ankommen lassen den Fokus bei diesem Motiv doch noch einmal besser hinzubekommen.
Zwar blieb auch am nächsten Tag keine Zeit für eine ausgedehnte Wanderung der Gegend, weil wir unmittelbar nach dem Frühstück abreisen mussten, dafür schaffte ich es aber vorher noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang aus dem Bett zu purzeln und wurde dann doch noch mit einigen schönen Impressionen Taipingshans bei Tageslicht belohnt. Und um meinen ersten Beitrag hier abzurunden möchte ich euch ein Foto von eben diesem malerischen Sonnenaufgang nicht vorenthalten.
Blick über die Berge Taiwans bei Sonnenaufgang am Taipingshan.
Gar nicht so leicht die eigene Arbeit manchmal in Worte zu fassen und das ganze als halbwegs unterhaltsamen Beitrag zu verpacken. Ich hoffe ihr fandet meinen ersten Post hier deswegen nicht allzu holprig, über Feedback jeglicher Art egal ob zu den Fotos oder der Gestaltung der Seite würde ich mich natürlich sehr freuen. Gerade was Webdesign angeht bin ich aktuell noch ziemlich grün hinter den Ohren und nehme jeden Tipp dankbar an. In Zukunft wird es sowas hier regelmäßig geben, ich werde dranbleiben, versprochen!
Vielen Dank fürs lesen und fotografische Grüße!